Crowdfunding: Ursprung & Nutzung

Nachdem ich mich im letzten Beitrag mit der Thematik des Crowdfunding mit Bezug auf das Oberthema Crowdsourcing auseinander gesetzt habe, möchte ich euch heute den Zusammenhang zwischen Crowdfunding und dem klassischen Fundraising erläutern.

Beim Fundraising im klassischen Sinne „geht es um die Erstellung einer Kommunikationsstrategie für die Beschaffung von Finanzmitteln, und zwar vor allem Dinge für Mittel, die nicht nach klaren Förderkriterien vergeben werden und nicht regelmäßig fließen.“ (Haibach, 2002, S. 19) Ein Produkt bzw. eine Leistung soll mit Hilfe von Marketingmaßnahmen potenziellen Kunden bzw. Förderern verständlich nahe gebracht werden und diese sollen durch wiederholtes Bitten und den Aufruf zum Spenden schließlich finanzielle Unterstützung bereitstellen (Haibach, 2002, S. 20).
Der Prozess ist in vier Schritte untergliedert (Sanders, 2007,S. 13)

  1. Aufmerksamkeit entgegenbringen: relevante Zielgruppen ansprechen
  2. Vertrautheit entwickeln: durch wiederholte Ansprache und Zusenden von Informationen
  3. Spendenbitte: erste Unterstützer als „harter“ Kern der Crowd
  4. Dankbarkeit und Anerkennung: für die Unterstützer des Projektes

Im Laufe der Zeit haben sich verschieden Unterkategorien von Fundraising entwickelt, die auch auf die verschiedenen Kommunikationsmöglichkeiten im Internet zurückgreifen. Im Vergleich gibt es folgende Fundraising-Instrumentde für offline bzw. online Nutzung:

Offline-Fundraising Online-Fundraising
  • Unternehmensspenden
  • Postmailings
  • PR Aktionen / Events
  • Förderungen von Stiftungen
  • Bußgeldspenden
  • Straßenspenden
  • Telefon/SMS Spenden
  • Webseite
  • Facebook
  • Newsletter
  • YouTube
  • Twitter
  • Blogs

Eine genaue Auflistung der verschiedenen online Fundraising-Plattformen findet ihr hier.

Die Unterkategorie Crowdfunding fällt ebenso in den Bereich des Online-Fundraising, weil die Kampagne hauptsächlich über das Internet abgewickelt wird. Laut der Online Fundraising Studie 2013 von Altruja steht Online-Fundraising auf Platz 2 der künftig wichtigsten Fundraising-Kanäle und im Zusammenhang mit dieser Entwicklung steigt auch die Bedeutung von Social Media als Erfolgsfaktor.
Passend zu dieser Tendenz möchte ich die digitale Kommunikation im Rahmen verschiedener Social Media-Kanäle des Bach-Advent untersuchen. Zuerst möchte ich euch noch anhand einiger Zahlen die Relevanz und das Potenzial von Crowdfunding als Finanzierungsmodell aufzeigen:

Die unterstehende Grafik zeigt die Entwicklung  des eingesammelten Kapitals durch Crowdfunding in Deutschland. Es wird ein rascher Anstieg der bereitgestellten finanziellen Mittel deutlich. Im dritten Quartal 2013 wird ein Betrag von 1.340.400€ verzeichnet.

252351_durch-crowd-funding-eingesammeltes-kapital-in-deutschland-nach-quartalen(Quelle: Statista (2013a) abgerufen von http://de.statista.com/statistik/daten/studie/252351/umfrage/durch-crowd-funding-eingesammeltes-kapital-in-deutschland-nach-quartalen/ am 09.12.2013*)

Außerdem wurden insgesamt 43 Prozent der begonnenen Projekte in Deutschland erfolgreich abgeschlossen. Auf der Plattform Startnext.de ist diese Quote sogar noch höher und liegt bei 52 Prozent.

258153_erfolgsquote-der-crowdfunding-projekte-in-deutschland-nach-plattformen(Quelle: Statista (2013b)abgerufen von http://de.statista.com/statistik/daten/studie/258153/umfrage/erfolgsquote-der-crowdfunding-projekte-in-deutschland-nach-plattformen/ am 09.12.2013*)

Diese positiven Erfolgsbilanzen sprechen für sich. Dennoch ist es wichtig anzumerken, dass die Crowdfunding-Kampagenen keine Selbstläufer sind. Es bedarf einer sorgfältigen Planung und bestimmte Faktoren sollten unbedingt berücksichtigt werden (vgl. Grumpelmaier, 2011, S. 372). Diese Faktoren möchte ich im Laufe meiner Arbeit identifzieren und näher erläutern.

lernfortschritt04Das Finanzierungsmodell Crowdfunding hat seinen Ursprung im klassischen Fundraising und stellt eine Unterkategorie des Online-Fundraising dar. Außerdem wird Crowdfunding vor allem im Bereich Kunst und Kultur, sowie für soziale Projekte eingesetzt wird und stellt somit eine neuartige Alternative zur „klassischen“ Kulturförderung dar. Desweiteren ist ein rasanter Anstieg des gesammelten Kapitals durch Crowdfunding zu beobachten, welcher die Finanzierung von Projekten mit Hilfe der Crowd rechtfertigt. Diese Tendenz legt die Vermutung nahe, dass das Potenzial von Crowdfunding noch längst nicht ausgeschöpft ist und auch in Zukunft eine bedeutende Rolle spielen wird.

In meinen nächsten Posts soll es dann konkret über die Plattform Startnext.de, das Projekt des Bach-Advent sowie meine Zielsetzung und Fragestellung gehen.

*Update:
Im heutigen Seminar (09.12.2013) wurde die Verwendung von Screenshots in Blogeinträgen thematisiert. Ich wusste bereits, dass man diese verwenden darf, allerdings nur als Zitat und nicht zur „optischen Verschönerung“ eines Beitrags. Aus diesem Grund habe ich mich erneut informiert, ob und wie ich die Grafiken von statista einbinden kann. Es gibt die Möglichkeit zum Download der Grafiken im jpg-Format, allerdings werden an dieser Stelle keine Veröffentlichungsrechte genannt. Daher habe ich im Impressum nach Verwertungsrichtlinien gesucht und schließlich gefunden, dass diese Darstellungen in nicht-kommerziellen Zusammenhängen auf Blogs verwendet werden dürfen (vgl. Impressum; abgerufen von http://de.statista.com/statistik/impressum/#terms am 09.12.2013).

Quellen:

Altruja GmbH (2013). Ergebnisse der Online-Fundraising-Studie 2013. Abgerufen am 18.11.2013 von altruja.de: http://www.altruja.de/assets/Altruja_Online-Fundraising-Studie-2013.pdf

Gumpelmaier, W. (2011). Warum crowdfunding kein schnelles Geld verspricht – Voraussetzungen für gelungenes Online-Fundraising. In K. Janner, C. Holst, & A. Kopp, Social Media im Kulturmanagement: Grundlagen. Fallbeispiele. Geschäftsmodelle. Studien (S. 365-380). Heidelberg: mitp.

Haibach, M. (2002). Handbuch Fundraising: Spenden, Sponsoring, Stiftungen in der Praxis. Frankfurt: Campus Verlag

Meid, M. & Eisfeld-Reschke, J. (2014). Fundraising-Instrumente. Abgerufen am 18.11.2013 von sozialmarketing.de: http://sozialmarketing.de/fundraising-instrumente/#crowdfunding

Sanders, G. (2007). Fundraising: Die beziehungsorientierte Methode. Assen: Koninklijke Van Gorcum

Statista. (2013a). Durch Crowdfunding eingesammeltes Kapital in Deutschland in den Jahren 2011 bis 2013 nach Quartalen (in 1.000 Euro). Abgerufen am 09.12.2013 von Statista:  http://de.statista.com/statistik/daten/studie/252351/umfrage/durch-crowd-funding-eingesammeltes-kapital-in-deutschland-nach-quartalen/

Statista. (2013b). Erfolgsquote der durch Crowdfunding finanzierten Projekte in Deutschland im Jahr 2012 nach der Plattform. Abgerufen am 09.12.2013 von Statista: http://de.statista.com/statistik/daten/studie/258153/umfrage/erfolgsquote-der-crowdfunding-projekte-in-deutschland-nach-plattformen/

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9 Gedanken zu “Crowdfunding: Ursprung & Nutzung

  1. Hey Ricarda, deine Zahlen, die du gefunden hast sind sehr beeindruckend. Wahnsinn, dass weit über eine Million Euro alleine im dritten Quartal mit Hilfe von Crowdfunding eingenommen wurden. Vor allem wenn man bedenkt, dass die „Spender“ keinen finanziell vergleichbaren Gegenwert erhalten. Ebenfalls erstaunt hat mich die positive Quote von 43%. Ein Zeichen für das Interesse an Kunst, Kultur und sicherlich auch für ein großes Engagement der Initiatoren…

  2. Elisa hat recht. Die Grafiken und Daten sind sehr beeindruckend. Mir war zwar schon bekannt, dass startnext.de die bekannteste Plattform ist, aber dass der Erfolg der Projekte dort bei 52% liegt, war mir nicht bewusst.

  3. Ich war ebenfalls positiv überrascht, dass sich so viele Menschen für die Förderung künstlerischer und kreativer Projekte interessieren und auch bereit sind viel Geld darin zu investieren. Auch der Erfolg der Startnext-Plattform ist nicht zu bestreiten. Allerdings sollte man im Hinterkopf behalten, dass Crowdfunding-Kampagnen dennoch kein Selbstläufer sind. Sie benötigen intensive Vorbereitung, Betreuung und Nachbearbeitung. Nur wenn diese Faktoren zusammenspielen, kann die Erfolgsquote weiter ansteigen.

  4. Hallo Ricarda,
    Ein wirklich interessantes Thema hast du dir da ausgesucht. Die Zahlen die du hier aufzeigst, bestätigen ja durchaus den Erfolg solche Kampagnen.
    Was mich noch interessieren würde, ist die Erreichung von Zielgruppen. Die jüngeren Generationen sind bestimmt leicht über internetbasierte Kanäle zu erreichen. Doch wie werden die Crowdfunding Aktionen offline beworben? Anders: Wie können ältere, oder vielleicht nicht so web-affine Menschen auf die Kampagnen aufmerksam gemacht werden?

    • Hallo Katarina,
      eine gute Frage. Ich möchte drauf im Laufe meiner Betrachtung auf jeden Fall eingehen. Allerdings liegt der Fokus des Blogs ja auf digitaler Kommunikation, weshalb diese auch näher analysiert wird. Vorausschicken kann ich schon mal folgendes: Im Laufe der Kampagne des Bach-Advents stellte sich deutlich heraus, dass die Zielgruppe vor allem ältere Menschen sind, die nicht undbedingt eine hohe Internet-Affinität aufweisen. Daher wurde die Möglichkeit eingerichtet auch offline in einer Buchhandlung in Arnstadt spenden zu können, was sich als sehr sinnvoll und hilfreich erwiesen hat. Diese Spenden-Möglichkeit wurde dann auch online (Facebook) und offline (TA) beworben. Generell wurde die Kampagne auch einfach durch „Weitersagen“ bekannt gemacht, weil viele Beteiligte sich persönlich untereinander kennen.

  5. Pingback: Warum eigentlich Crowdfunding? | Die Spenden-Crowd

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  7. Pingback: Crowdinvesting- Warum und Wo? | Digitale Kommunikation

  8. Pingback: Schlussbetrachtung | In the Crowd

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